Über das Alleinsein gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die einen halten es kaum aus, die anderen suchen genau diese Momente. Ob man es aushält oder sucht, stellt sich in der Fliegerei gar nicht als Frage: Dort ist das Alleinsein kein Zustand, den man wählt, sondern ein fester Teil der Ausbildung — gemeint ist der erste Alleinflug.
Was viele nicht wissen: Er findet mitten in der Ausbildung statt. Noch vor der Lizenz.
Davor übt man Platzrunden. Starten, fliegen, landen, immer wieder. Der Fluglehrer sitzt daneben und kann jederzeit eingreifen.
Bis irgendwann dieser Moment kommt.
„Du kannst das jetzt. Ich steige mal aus. Flieg mal drei Platzrunden.”
Man weiß, dass dieser Satz kommen wird. Es ist trotzdem etwas völlig anderes, wenn es dann so weit ist.
Plötzlich sind da nur noch die Maschine und ich. Niemand mehr daneben. Niemand, der eingreift. Die Verantwortung liegt vollständig bei mir.
An diesen Moment erinnere ich mich bis heute erstaunlich genau. Klar bleiben. Konzentriert bleiben. Die Checkliste abarbeiten.
Ein Satz ging mir dabei immer wieder durch den Kopf:
Ich ziehe das jetzt durch. Punkt.
Dieses „Punkt” war mehr als ein Gedanke. Es war eine Entscheidung, hinter die ich nicht mehr zurückkonnte — kein Zögern, kein „vielleicht doch nicht”. Und genau darin lag etwas Befreiendes: Wo nichts mehr zu entscheiden ist, bleibt nur noch der nächste Schritt.
Starten. Fliegen. Landen. Ganz allein.